Für die Ergonomie am Arbeitsplatz gibt es in den USA im Gegensatz zur EU keine gesetzlichen Vorschriften. Dies hat zu zwei verschiedenen Ansätzen auf dem Markt der Hebetechnik geführt. Wir haben die Möglichkeit genutzt, um mehr von einem der globalen Experten für schwere Hebeanwendungen, Jim Galante, Chairman von EASE Council, USA, zu lernen.

Jim Galante
Jim Galante

Die USA und Europa unterscheiden sich grundlegend bei den gesetzlichen Vorschriften für die Hebetechnik. In den USA gibt es keine gesetzlichen Vorschriften für die Hebetechnik und Ergonomie am Arbeitsplatz, d. h., die Unternehmen entscheiden selbst. In Europa hingegen gibt es die Richtlinie zu den Sicherheitsanforderungen an Hubtische (jetzt EN 1570-1:2011+A1:2014). Hymo war übrigens einer der Hauptakteure bei der Entwicklung der EN-Norm. Jim Galante erläutert hier, wie der aktuelle Stand ist – und was die Zukunft angesichts der beiden unterschiedlichen Herangehensweisen an die Ergonomie am Arbeitsplatz bereithält.

Sicherheit zuerst

Jim betont, dass trotz der gesetzlichen Unterschiede eine große Ähnlichkeit zwischen den USA und Europa besteht: Alles fängt bei den Mitarbeitern an. „Der Hauptfokus liegt immer auf Sicherheit und auf der Verringerung der körperlichen Belastung“, beobachtet er. „In den USA stellen wir fest, dass aus Gesprächen schnell harte Fakten werden. Glücklicherweise haben wir viele Daten gesammelt, die zeigen, wie schnell eine effektive Hublösung den Arbeitsplatz verbessert und die Produktivität steigert, wodurch sich der Gewinn erhöht.“ Jeder Arbeitgeber kennt die Kosten, die im Zusammenhang mit Arbeitsunfällen entstehen – konservativ gerechnet sind das ca. $25.000 pro Vorfall. Abgesehen von den Arbeitsunfällen weiß jedoch nicht jeder, wie stark eine schlechte Ergonomie die Produktivität beeinträchtigt und Müdigkeit verstärkt. „Nur ein Beispiel: Die Mitarbeiter stellten Positionierer oder andere Hubgeräte unter die Produktpalette. Mittlerweile ist jedoch gemeinhin bekannt, dass das weite Nachvornstrecken schlimmer ist als Bücken. Das bedeutet, dass mehr Drehtische verwendet werden, damit sich die Mitarbeiter nicht mehr so weit strecken müssen.“

Lösung für die demografische Herausforderung

Arbeitgeber müssen auch die sich verändernde Demografie berücksichtigen. Es ist zunehmend schwer, fitte, junge Menschen für unspektakuläre Arbeiten zu finden. Laut einem Bericht der Gesellschaft für Personalmanagement machen ältere Arbeiter (ab 55 Jahre) bis zum Jahr 2022 voraussichtlich 26 % der Produktionskräfte aus. Im Jahr 2012 waren es noch 21 % und im Jahr 2002 nur 14 %. „Um die Fähigkeiten der älteren Mitarbeiter optimal zu nutzen, müssen die Arbeitgeber gut überlegen, welche ergonomische Verbesserungen durchgeführt werden können“, erklärt Jim. Er erwähnt Xerox Corp. als ein erfolgreiches Unternehmen, das den Einfluss der Ergonomie auf die Verbesserung der Gesundheit und Sicherheit älterer Arbeiter verstanden hat. „Das Unternehmen hat deutlich gemacht, dass ergonomische Verbesserungen wie Kipptische, Aufzüge und Hubgeräte nicht nur die Arbeit für die Mitarbeiter vereinfachen, wenn sie Teile und Geräte während der Montage bewegen, sondern sich auch die Produktivität deutlich verbessert.“ „Ein weiteres Problem ist der Anstieg der Fettleibigkeit unter den Mitarbeitern und damit auch das Risiko einer Verletzung am Arbeitsplatz“, erklärt Jim. Die Centers for Disease Control and Prevention haben festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung am Arbeitsplatz im Vergleich zu normalen, gesunden Arbeitern bei übergewichtigen und fettleibigen Arbeitern um 25–68 % höher ist. „Wenn Sie berücksichtigen, dass ein Drittel der arbeitssuchenden Menschen fettleibig und viele älter als 55 sind, stehen die Arbeitgeber zwischen Konkurrenzdruck und einer anfälligen Arbeiterschaft. Den Argumenten für eine bessere Ergonomie am Arbeitsplatz ist nichts entgegenzusetzen.“

Logistik im Herzen der schlanken Fertigung

Die beiden Ansätze für ergonomische Arbeitsplätze – gesetzlich vorgeschrieben und freiwillig – verschmelzen zunehmend angesichts der Gesundheits-, Sicherheits- und Gewinnüberlegungen. „In Zukunft werden ergonomische Vorgänge unnötige Bewegungen deutlich reduzieren. Unnötige Bewegungen gehören zu den kritischen Verschwendungen, die von Taiichi Ohno, dem Vater der schlanken Fertigung, erkannt wurden“, erläutert Jim. „Die Verwendung von Hubtischen, Drehtischen, Plattformen und anderen Geräten, die den Abstand zwischen Mitarbeiter und Arbeit reduzieren, können nicht nur die Effizienz und Produktivität, sondern auch die Sicherheit erhöhen.“ Erfahren Sie mehr: www.mhi.org/ease

Über Jim Galante

Jim ist Chairman des MHIs (Material Handling Industry) EASE Council, das sich auf ergonomische Hilfssysteme und Geräte spezialisiert hat. Er war einer der Herausgeber des Handbuchs Ergonomische Richtlinien für den manuellen Materialtransport und ist maßgeblich an Branchenpublikationen wie Modern Material Handling, Material Handling Management, Overhead Crane and Hoist, Occupational Health & Safety und anderen beteiligt.